www.chatroulette.com ist die Alternative

Dass es nicht immer eines Giganten wie Microsoft oder Google bedarf, um mit einer neuen Idee im Internet - oder anderswo - für Furore zu sorgen, könnte anhand unzähliger Beispiele erläutert werden. Das jüngste - und vermutlich auch bekannteste - Beispiel für einen erfolgreichen Selbstläufer im World Wide Web dürfte allerdings die Geschichte um die Kommunikationsplattform chatroulette.com sein. Ein relativ simples Prinzip, angelehnt an vorherrschende Trends, gepaart mit ein wenig Know-how in Sachen Technik und Programmierung - mehr braucht es manchmal gar nicht, um mit einer einfachen aber wirkungsvollen Idee einen regelrechten Hype loszutreten.Dabei hätte die Idee dahinter einfacher kaum sein können: man baue sich einen Videochat, verbinde völlig willkürlich zwei x-beliebige Leute miteinander, und schaue was passiert. Was im ersten Moment eher banal klingt sollte sich als grundsolides Konzept erweisen - spricht es doch gleich mehrere psychologische Rezeptoren bei uns an, wie z.B. den Voyeur in uns, den Abenteurer und nicht zuletzt natürlich auch den Selbstdarsteller.

Wie funktionierts? Ganz einfach: der Besuch auf chatroulette.com ist kostenlos, und mit keinerlei Anmeldeprozedur verbunden, demzufolge absolut barrierefrei und für jeden frei zugänglich. Wer eine Webcam hat schließt diese einfach an und klickt den (ät)"connect/verbinden(ät)" Button, die Website pickt uns dann einfach einen freien Gesprächspartner heraus, und verbindet uns miteinander. Was nun folgt ist gänzlich uns überlassen, im Idealfall natürlich eine nette Unterhaltung mit einem völlig Fremden, der - genau wie wir - irgendwo auf unserem Globus hinter seinem Bildschirm sitzt.

Für den Fall dass einem der aktuelle Gesprächspartner nicht zusagt gibt es noch die Möglichkeit diesen einfach weg zu klicken, man wird dann automatisch mit einer neuen Person verbunden. Das Konzept des Russen Andrei Ternowski, welches Ende 2009 online ging, fand sehr schnell sehr viele Anhänger, und verbuchte binnen weniger Monate bereits eine Besucherzahl in zweistelliger Millionenhöhe. Und tatsächlich: wer keine Scheu davor hat sich wildfremden Personen vor der Webcam zu zeigen, generell eher kontaktfreudig veranlagt ist, dürfte daran durchaus seine Freude haben; sei es als Partygag, für schlaflose Nächte ohne Gesprächspartner, Langeweile oder einfach nur aus Neugier.

Doch das Prinzip hat auch seine Kehrseiten. Mangels Anmeldepflicht ist chatroulette.com frei zugänglich für jeden der/die einen PC mit Internetanschluss sein Eigenen nennt, folglich also auch nicht nur für Erwachsene. Ein Umstand der bereits binnen kürzester Zeit für Aufregung sorgte, denn natürlich war in keinster Weise zu erwarten dass sich ausschließlich jeder Chatter auch an gepflegte Umgangsformen halten würde. Und so waren es vornehmlich Männer, die plötzlich ungefragt nackt und mit entblößten Genitalien auf unseren Bildschirmen auftauchten, also ggfl. auch auf den Bildschirmen neugieriger Kinder und Jugendlicher, was nicht zu Unrecht den Jugendschutz auf den Plan rief.

Schätzungen zu Folge sind an die 13% aller Chatroulette-User (ät)"pervers(ät)", was bei einem millionenfachen Publikum zwangsläufig eine immense Zahl ausmacht. Zwar kann man, wie bereits erwähnt, jeden Gesprächspartner problemlos weiter klicken, und inzwischen auch (ät)"melden(ät)" - was bei drei Meldungen eine 40-minütige Sperre der jeweligen Person zur Folge hat - doch, gesehen haben wir es trotzdem, und das entspricht nicht unbedingt immer unserem Sinn von Östhetik, ganz sicher aber natürlich nicht dem was unsere Kinder zu Gesicht bekommen sollten. Die Möglichkeit, sein Gegenüber beliebig zu ersetzen, hat allerdings auch den Nebeneffekt, dass Chatroulette enorm schnelllebig geworden ist, man findet kaum noch einen Chatpartner mit dem überhaupt ein Gespräch zustande kommt, und falls doch ist da am Ende noch immer die Sprachbarriere, denn international bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch wirklich jeder Englisch spricht.

Trotz dieser Negativbeispiele, und der Tatsache dass der Hype - ausgehend von den Besucherzahlen - langsam nachlässt, fand chatroulette.com eine Vielzahl von Nachahmern, die als Alternativen im Netz kursieren, nicht selten mit der Absicht Gewinne damit zu erzielen. Und doch bleibt es wohl dem Original vorbehalten, einen Löwenanteil weltweiter Besucher sein Eigenen nennen zu dürfen, nicht völlig zu Unrecht, denn das Prinzip hinter chatroulette.com ist und bleibt ein spaßiges, und kann zumindest für kurzweilige Unterhaltung sorgen.

http://www.chatroulette.com

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